Viel Wasser gibt’s im Ried – in der Gegenwart und seit Millionen Jahren
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Von Georg Heil
Woher kommt das viele Wasser im Ried? Kommt’s von oben? Kommt’s von unten?
Diesen Fragen wird der Verfasser in sehr gedrängter Form nachgehen und versuchen, sie aus den besonderen
geologischen Verhältnissen unserer Heimat im Rheingraben und seiner Entwicklung in den letzten 30 Millionen
Jahren sowie der gegenwärtigen Situation im Ried zu beantworten.
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Das Klima – eine begünstigte Landschaft
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Das Ried und insbesondere die Bergstraße gehören zu den klimatisch begünstigten Gegenden Deutschlands.
Besonders deutlich wird dies aus dem frühzeitigen Frühlingseinzug, der hohen mittleren Jahrestemperatur
und einem fast ungenügenden Niederschlagsaufkommen.
Die Temperaturverhältnisse im Ried sind im wesentlichen geprägt durch milde Winter mit
Durchschnittstemperaturen im Januar zwischen 0 und 1° C. Dem Winter folgt ein recht warmes Frühjahr mit
einer Durchschnittstemperatur im April von 9 - 10° C. Das Ried übertrifft in dieser Zeit die Temperatur der
höheren Gebiete des Odenwalds um etwa 3° C. Es folgt ein verhältnismäßig warmer Sommer mit
Durchschnittstemperaturen im Juli zwischen 18 und 19° C. Ein milder Herbst bringt uns dann Sonne ins Gemüt
und läßt die Bergsträßer Trauben reifen. Im Oktober wird eine durchschnittliche Temperatur von 9 - 10° C erreicht.
Im Jahresmittel können wir Temperaturwerte von 9.6 - 10.0° C erwarten. Sie liegen um etwa 3° C über den in der Haardt
gemessenen Jahresdurchschnittstemperaturen.
Die Niederschläge in unserem Raum werden im allgemeinen ausgelöst durch die vom Ozean herankommende,
feuchtigkeitsbeladene Luft. Sie gleitet am Ostrand der Haardt, des Donnersbergs und des Hunsrücks talwärts.
Dabei erwärmt sich die Luft über den waldlosen und deswegen heißen Böden Rheinhessens. An der Bergstraße stauen
sich die Luftmassen immer mehr und müssen aufgleiten. Sie kühlen sich ab und es kommt zu stärkeren Wolkenbildungen
und oft zu Regenfällen. Dies erklärt auch, warum Rheinhessen zu den trockensten Landschaften Deutschlands zählt und
die Niederschläge vom Rhein zu den Odenwaldhöhen ständig zunehmen.
Das Ried liegt in der Zone einer jährlichen Niederschlagsmenge zwischen 550 und 660 mm. Wir liegen damit in einem Gebiet,
dessen gute Böden wegen gerade noch genügender Feuchtigkeit vorrangig für den Ackerbau geeignet sind.
Bei vielen Sonderkulturen allerdings ist eine Beregnung unerläßlich.
Obwohl wir mit dieser Niederschlagsmenge immer noch zu den regenärmsten Landschaften Süddeutschlands gehören,
war die Bekämpfung und Verdrängung des Wassers über ein paar Jahrtausende das entscheidende Problem im Verhältnis
von Natur und Mensch im Ried. Bei der Überfülle des Wassers in früheren Zeiten handelte es sich aber nur zum kleinen
Teil um Oberflächenwasser, das aus örtlichen Niederschlägen oder durch Überschwemmungen des Rheins und der Odenwaldbäche
herrührte. In der Hauptsache war es das aufsteigende Grundwasser, das nach Hochwasser regelmäßig zutage trat und die
Niederungen überschwemmte.
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Die Kontinentaldrift – Auslöser und Motor unseres Wasserhaushalts. Die Erdkruste reißt – ein Graben entsteht
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Als die Eurasische Kontinentalplatte vor 350 Millionen Jahren über den Äquator driftete, mußte sie von innen her aufreißen, um über die an dieser Stelle dickbauchige Ausbuchtung der Erde hinwegkommen zu können. Der Riß durch die Kontinentalplatte verläuft vom Mittelmeer bei Marseille, durch das Rhonetal, den Rheingraben mit einer Abzweigung von Mainz bis Kassel und weiter bis zur englischen Ostküste.
Vor 50 Millionen Jahren war der Riß bis zur Erdoberfläche durchgedrungen. Er zeigte sich erstmals im südlichen und mittleren Teil des heutigen Rheingrabens. In unserer Heimat, im nördlichen Teil des Rheingrabens begann die Erdkruste vor 30 Millionen Jahren zu reißen.
Die Kontinentalplatte riß entlang der heutigen Bergstraße. Ihr westlicher Teil driftete langsam aber kontinuierlich nach Nordwesten. In der Erdkruste tat sich eine immer breiter und tiefer werdende Spalte auf, die über viele Millionen Jahre nicht vollständig aufgefüllt werden konnte. Es entstand so ein immer größer werdender See, das „Rheinische Meer“.
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Das Rheinische Meer – Garant für die gleichmäßige Auffüllung der Rheinebene
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Das „Rheinische Meer“ dehnte sich zeitweise auf einer Länge von Basel bis über Frankfurt hinaus aus und sank unter das Niveau des Meersspiegels. Der Fischreichtum in Verbindung mit den einsetzenden Fäulnisprozessen führte zur Bildung von Gas- und Erdöllagerstätten, die heute in einer Tiefe von 1.500 – 2.400 m Tiefe in den Peschelbronner Schichten liegen. Der Rheingraben in der Höhe von Crumstadt ist 2.400 m tief und hat sich mit Gestein und Erdreich, das aus dem vorderen Odenwald transportiert wurde, auf die heutige Höhe von 100 m über dem Meeresspiegel aufgefüllt.
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Der Druck der afrikanischen Platte formt unsere Berge
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Der hohe Druck der afrikanischen auf die eurasische Kontinentalplatte stemmte die Alpen hoch und setzt sich bis in unseren Raum fort. Vor etwa 4 Millionen Jahren bildeten sich deshalb die Grabenränder von Odenwald, Rheinhessen und Taunus immer stärker heraus. Diese Hebung ermöglichte es schließlich, daß verstärkt Erdreich abgetragen und in den Rheingraben fließen konnte. Das „Rheinische Meer“ verlandete deshalb vor 2,8 Millionen Jahren.
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Die Entwicklung unseres Flußsystems – aus Schlamm geboren
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Damit konnten sich die aus dem Gebirge kommenden Flüsse einen Weg durch den noch morastigen Rheingraben bahnen. Die Drehung der Erde und deren dickbauchige Ausbuchtung am Äquator zwingen alle Flüsse der Nordhabkugel, in eine nordwestliche Richtung zu fließen.
Der Ur-Rhein floß ab Worms zunächst über das noch nicht angehobene rheinhessische Plateau zum Binger Loch. Der Ur-Neckar floß ab Heidelberg nach Nordwesten und zwar durch den Jägersburger Wald bis Gernsheim östlich des heutigen Rheinbettes. Ab Gernsheim hatte sich der Ur-Neckar sein Flußbett in weiten Schlingen ausgebildet und stieß bei Laubenheim auf den Ur-Main. Parallel östlich zum Ur-Neckar gruben sich die Urflüsse von Weschnitz, Lauter, Modau und Darm ihr gemeinsames Bett durch das Ried und um Crumstadt. Sie alle folgten der damals aktiven Senkungszone unseres Grabens in Richtung Trebur und erreichten ebenfalls bei Laubenheim die Flüsse von Ur-Neckar und Ur-Main, die dann südlich von Bingen in den Ur-Rhein flossen.
Die fortschreitende Hebung des rheinhessischen Plateaus zwang schließlich den Ur-Rhein vor ca. 1 Million Jahren seinen Lauf ab Worms zu ändern. Von dort folgte er dem weiter absinkenden Graben in Richtung Gernsheim. Dort nahm er das Flußbett des Ur-Neckars mehr oder weniger in Besitz.
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Die Rheindünen werden für den Ur-Neckar zu Barrieren
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Der Rhein schob in den Warmzeiten der Eiszeit, die vor etwa1 Million Jahren in Intervallen einsetzte, Schotter, Sand und Kies durch die Ebene und lud diese an den Flachhängen seiner kurvenreichen Strecke ab. Während der periodisch folgenden Kaltzeiten trockneten die Flüsse aus und die waldarme Landschaft versteppte. So konnten die vorherrschend starken West- bis Südwestwinde Sand und Löß aus dem ausgetrockneten, mehrere Kilometer breiten Flußbett des Rheins in östliche Richtung transportieren und Dünenzüge in der Nachbarschaft des Flußlaufs aufbauen. Dies geschah insbesondere in der letzten Warmzeit vor 140.000 - 75.000 Jahren, in der wir ein trockenwarmes Steppenklima zu verzeichnen hatten. Die so aufgebauten Dünen versperrten einerseits dem Rhein eine Ausdehnung nach der östlichen Seite des Rheingrabens, sie ermöglichten es aber andererseits wegen ihrer Höhe und Breite dem Neckar und den Odenwaldflüssen nun nicht mehr, die Dünen zum Rhein hin zu durchbrechen.
Der Neckar mußte sich deshalb vor 140.000 bis 75.000 Jahren ein neues Flußbett hinter den Dünen suchen. Er floß nun ab Heidelberg am Rand der Bergstraße entlang, durchschnitt die Dünen des älteren Flugsandes beim Pfungstädter Moor und folgte dann den sich weiter absenkenden Schollen einer Linie Bergstraße - Groß-Gerau - Mainz. Dazu nahm er das Ur-Flußbett von Weschnitz, Lauter, Modau und Darm in Besitz und gestaltete es für seine Größenverhältnisse weiter aus. Sein Weg führte ihn dabei auch in dem bekannten großen Bogen um Crumstadt. Zwischen Groß-Gerau und Nauheim nahm er das Bett des Ur-Main in Besitz, der zu diesem Zeitpunkt schon weiter nördlich floß und ergoß sich bei Trebur in den Rhein.
Der Neckar bildete nach seinem Austritt aus dem Gebirge beim heutigen Heidelberg einen immer weiter anwachsenden Schuttkegel und spülte den vom Rhein aufgebauten Dünenzug ständig weiter nach Westen vordringend ab. In den vielen Jahrtausenden hatte sich der Rhein wegen weiterer Absenkungen und der Ausblasung von Sand und Löß ein tieferes Flußbett gegraben. Eines Tages um etwa 8.000 v.Chr. war es dann soweit. Bei einem Hochwasser konnte der Neckar den restlichen Dünenwall zwischen Feudenheim und Seckenheim durchbrechen und sich in das mehrere Meter niedrigere Bett des Rheins ergießen. Der Lauf des Neckars nach Norden - durch unsere Heimat - war nach etwa 100.000 Jahren zum Erliegen gekommen.
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Der Mensch gestaltet den Rheingraben
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Die Römer bauten zwischen 200 und 250 n.Chr. den Schwarzbach als Verbindung zwischen Rhein und Neckarbett an deren engster Stelle zwischen Phillipshospital und Stockstadt. Gleichzeitig errichteten sie einen Knüppeldamm, die heutige Straße von Crumstadt nach Phillipshospital. Dadurch wurden die ankommenden Fluten von Weschnitz, Lauter, Modau und Ur-Sandbach in den Kanal der Schwarzbach gezwungen. Die Römer verkürzten damit ihren Schiffahrtsweg von den Steinbrüchen des Odenwalds, sowie ihren Befestigungsanlagen und Gutshöfen im Ried durch ein kurvenreiches und immer seichter werdendes Gelände um über 20 km. Außerdem verbesserten sie die Schiffbarkeit durch die Neckarbetten noch zusätzlich wegen des Rückstaus aus dem Rhein, der zu diesem Zeitpunkt noch an Stockstadt vorbeifloß.
Im Jahr 260 n.Chr. schlugen die Alemannen die Römer über den Rhein zurück. Da die Römer am Abbruch der Granitsteine aus dem Felsenmeer und des Marmors aus den Auerbacher Marmorbrüchen zum Bau der Trierer Basilika (328 – 337) sehr interessiert waren, sicherten sie sich durch einen Vertrag mit dem Alemannenkönig Macrian die Steinbruch- und Durchgangsrechte. Dazu kanalisierten sie die Weschnitz ab Lorsch und führten sie durch die Dünen in westlicher Richtung zum Rhein. An der Weschnitzmündung baute Kaiser Valentinian (346 – 375) die Burg Zullestein zur Sicherung der Schiffstransporte, deren Grundmauern noch erhalten sind.
Um das Jahr 500 kam mit den Franken eine große technische Neuerung, die „unterschlächtige Wassermühle“. Sie setzte einen geregelten Wasserlauf voraus und eine Wasserhöhe, mit der das unterschlächtige Mühlenrad ständig angetrieben werden konnte. Das genau war die Aufgabenstellung beim Bau der Modau. Wäre sie für eine größtmögliche Durchflußmenge angelegt worden, hätte sie den Mühlenbetrieb nicht ermöglicht, den Menschen im Ried aber andererseits viele Überschwemmungen erspart. Im Lorscher Codex wurden zwischen 785 und 836 bereits 5 Mühlen und 2 Mühlstätten als Schenkungsgut an das Kloster Lorsch erwähnt. Wenn man davon ausgeht, daß eine Mühle nicht gleich von der ersten Generation der Besitzer verschenkt wurde und die Mühlen nach dem sich entwickelnden Bedarf sukzessiv gebaut wurden, also ein unterschiedliches Alter aufwiesen, kann man davon ausgehen, daß die Modau etwa um 600 n.Chr. kanalisiert wurde.
Die Lauter, die in der Ebene den Namen Winkelbach trägt, wurde in den Jahren 1833 – 36 reguliert, bedeutend erweitert und vertieft. Dabei wurden zwei in Gernsheim betriebene Mühlen beseitigt. Das könnte ein Hinweis darauf sein, daß ihr künstlich nach Westen geschaffener Flußlauf ebenfalls in die Zeit des Baus der Modau fällt.
Der Landgraben dürfte nach einem Schreiben vom 30.12.1772 von Ingenieur-Lieutenant Johann Jakob Hill an Landgraf Ludwig IX. zwischen 750 und 900 angelegt worden sein, „um die Gewässer aus den überschwemmten Ländereien damit abführen zu können“. In früheren Zeiten gab es Überschwemmungen nicht nur im Winter bei Schmelzwasser oder bei starken Regenfällen, sondern es trat auch an vielen Stellen Quellwasser hervor, das die tiefliegenden Wiesen oft anhaltend unter Wasser setzte. Der Landgraben hatte die Aufgabe, die aus dem Odenwald kommenden Bäche, die nicht von der Weschnitz oder der Modau aufgenommen wurden, dem Rhein zuzuführen. Auch die Hoch- und Quellwasser des tief liegenden Neckarbettes sollten durch diese Maßnahme besser abfließen. Das gelang aber nicht, da sein Lauf bis Trebur zu weit und das Gefälle ungenügend war. Man war deshalb später gezwungen, weitere Gräber mit kürzerem Lauf zum Rhein anzulegen.
Der Sandbach wurde erstmals 1441 in einer Urkunde von Pfungstadt erwähnt. Ab der ersten Jahrtausendwende setzte eine niederschlagsreiche Periode ein. Ab 1300 kühlte sich das Klima weiter ab und leitete über zu der um 1550 beginnenden „Kleinen Eiszeit“. Der Landgraben und die Modau hatten für die insgesamt größeren Wassermassen der damaligen Zeit sicher kein genügendes Fassungsvermögen. Hinzu kam der Rückstau des Rheins in das Neckarbett. Man kann deshalb davon ausgehen, daß der Sandbach in dieser Zeit, etwa zwischen 1200 und 1350 gebaut wurde. Ein solches Datum kann man auch in etwa aus dem Aufbau des Schwemmfächers der Sandbach erschließen. Der Sandbach sollte dazu dienen, die Wassermassen der Modau bei Bedarf abzuleiten und den Rückstau aus dem Rhein in die Neckarbetten zu unterbinden.
Mit dem Rheindurchstich am Geyer am 30.04.1829 floß der Rhein nicht mehr um den Kühkopf. Der Druck der unterirdischen Wasserwelle und der Rückstau bei Hochwasser in das alte Neckarbett unseres Raumes wurde dadurch erheblich vermindert.
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Die Entwässerung des Rieds – eine Kulturlandschaft verliert ihren Charakter
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Gustav Adolf Dehlinger auf dem Weilerhof bei Wolfskehlen
In den zwanziger Jahren lebte und arbeitete auf dem Weilerhof bei Wolfskehlen Gustav Adolf Dehlinger. Er war Mitglied des Hessischen Landtags. Seine Lebensaufgabe sah er unter anderem darin, die Wasser- und Bodenverhältnisse im Ried entscheidend zu verbessern. Dazu empfahl er eine allgemeine Senkung des Grundwasserspiegels durch eine rationelle Entwässerung.
Anfänglich sträubten sich die Bauern gegen dieses Ansinnen. Sie befürchteten, daß das entzogene Wasser nicht zurückkommen und das Ried so wegen der geringen Niederschläge seine Fruchtbarkeit verlieren würde. Dr. Dehlinger kommentierte dies wie folgt: "Hier fehlt es nicht an Geld, hier fehlt es am Willen und Verständnis zum Fortschritt!"
Eine seiner Thesen, mit der er viele Bauern gewann, war: "Durch Schleusen und sonstige Vorkehrungen könnte mit geringen Kosten das Grundwasser derartig gestaut werden, daß bei vorübergehender Trockenheit die Kulturpflanzen noch so viel Wasser bekommen, wie sie zu einer normalen Ernte brauchen. Man könnte dadurch den Grundwasserstand so halten, daß die Kulturpflanzen vor dem Vertrocknen geschützt sind und größeres Wachstum entwickeln, worüber viele Erfahrungen aus der Praxis angeführt werden könnten."
Zu diesen Vorkehrungen, das Wasser zu stauen, ist es aber nur in Ansätzen gekommen.
Man kann nach den vorliegenden Studien das Grundwasser des Rieds nur im Odenwald oder am Odenwaldrand anreichern, nicht aber durch einzelne Schleusen, die das Wasser vom Rheindamm aus in einigen Gräben auf wenige 100 m in das Ried hineinstauen. Heute ist das damals groß angelegte Riedentwässerungssystem mit mehr als 800 km geschaffenen Gräben und seinen Pump- und Schleusenwerken in Leeheim und Ginsheim im Einsatz für die Ent- und Bewässerung einer eng am Rheindamm entlang laufenden Flur. Der übrige Teil des Rieds ist und bleibt entwässert, das angelegte System kümmert sich nicht darum.
So haben das von Dehlinger mit viel Kraft vorangetriebene Riedgesetz vom 11. Juni 1923 in Verbindung mit einer Feldbereinigung sowie der Generalkulturplan vom 9. Juni 1925 kurzfristig sehr wohl volkswirtschaftlichen Nutzen gebracht.
Dem Plan und seiner Durchführung aber fehlte die Beachtung der langfristigen Entwicklungen, Erfordernisse und Wirkungen auf Landschaft, Tiere, Pflanzen und Menschen. Darin offenbart sich heute ganz drastisch sein großer Mangel.
Der Verfall der Mauern des Weilerhofs in Wolfskehlen scheint symptomatisch zu sein für die nachteiligen Wirkungen des Plans seines ehemaligen Besitzers in weiten Teilen unseres Rieds.
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Der Reichsarbeitsdienst in Crumstadt (24.04.1936 – 26.06.1938)
Der Arbeitsdienst war eine offizielle Einrichtung des Dritten Reiches. Er war eines der Elemente, die junge Menschen durch eine Zuordnung von Aufgaben an den Nationalsozialismus heranführen sollte und gleichzeitig vormilitärischen Zwecken diente. Ab April 1936 wurden am heutigen Spielplatz in der Lagerstraße und den angrenzenden Grundstücken unter der Leitung von Franz Schreyer vierzehn Holzbaracken zur Unterbringung einer Einheit des Reichsarbeitsdienstes eingerichtet. Dort konnten im Juli 1936 216 Reichsarbeitsdienstler einziehen. Sie hatten die Aufgabe übernommen, Kulturarbeit in der Crumstädter Gemarkung zu leisten, in der gerade die Feldbereinigung durchgeführt wurde.
Sie regulierten oder begradigten viele Gräben, z.B. den Lohrraingraben, warfen uralte Gräben zu, beispielsweise auch unsere idyllische alte Werr, und zogen neue Gräben mit schnurgeradem Verlauf in die Landschaft. Man wollte das Ried nach den Vorstellungen von Gustav Adolf Dehlinger entwässern und dadurch noch fruchtbarer machen. Die Nationalsozialisten hatten die Pläne Dehlingers aufgegriffen und wollten damit unter anderem die vorhandene hohe Massenarbeitslosigkeit zumindest auf dem Papier beseitigen. Hjalmar Schacht, der Reichsbankpräsident des Dritten Reiches hatte dazu die Notenpresse anwerfen lassen und das erforderliche Papiergeld gedruckt, dessen Wert wegen der fehlenden Deckung immer mehr sank.
Hat der Reichsarbeitsdienst das gesetzte Ziel der Fruchtbarmachung des Rieds erreicht? Ich möchte die Frage mit „Nein“ beantworten und vor dem Hintergrund der heutigen landschaftlichen Situation ergänzend hinzufügen: „Man hat damals unserer Kulturlandschaft einen großen Schaden zugefügt.“
Die Absenkung des Grundwasserspiegels im hessischen Ried
Zwischen den Rheinauen und den Altarmen des Rheins im Westen und dem alten Neckarbett im Osten zieht sich die Hochuferterrasse in einer Breite von 8 - 10 km durch das Ried. Das etwa ein bis zwei Meter höher gelegene Gebiet ist der eigentliche Kulturboden auf dem unsere Urvorfahren auf ihrem weiten Zug von Süden kommend zwischen 6.000 und 5.000 v. Chr. ihre ersten Siedlungen gründeten.
Durch die in den 20er und 30er Jahren im Rahmen der Riedentwässerung erfolgte Absenkung des Grundwasserspiegels konnte mancher Morgen Acker- und Wiesengelände in den Niederungen hinzu gewonnen werden. Diese Maßnahme aber in Verbindung mit den Grundwasserentnahmen ließ die Hochuferterrasse des Rieds immer mehr versteppen. Wir sind deshalb heute gezwungen, diesen Gürtel zu bewässern, um den Pflanzen genügend Feuchtigkeit zu verschaffen.
Hand in Hand mit den Bewässerungsmaßnahmen könnte eine Anpflanzung der über weite Strecken fast kahlen Landschaft mit Laubbäumen und Hecken einhergehen, wie das in früheren Zeiten zu unserem typischen Landschaftsbild gehörte. So könnte unsere Landschaft besser vor den austrocknenden Winden geschützt werden. Die Menschen könnten gleichzeitig noch mehr Freude und Erholung finden auf ihren Spaziergängen und -fahrten durch das Ried.
Resümee, Fakten und Tendenzen
- Viel Wasser im Ried ist seit uralten Zeiten der Normalfall, wenig Wasser eigentlich nur die Ausnahme – vielleicht eine Laune oder ein Zyklus der Natur.
- Die Grundwasseranreicherung durch die Rheinwasseraufbereitungsanlage Biebesheim kann daher nur ein Versuch sein, in Zeiten der Ausnahme die Grundwasserabsenkung zu minimieren.
- Die Renaturierung der Sandbach ist ein Beispiel dafür wie man Tieren, Pflanzen und Menschen wieder eine naturnahe, lebenswertere Umgebung zurückgeben kann.
- Der jetzige hohe Grundwasserstand zeigt uns direkt hinter dem Crumstädter Ortsausgang gegen Eschollbrücken im alten Neckarbett den uralten Verlauf der Weschnitz, der auch aus Luftaufnahmen durch den unterschiedlichen jahreszeitlichen Bewuchs bekannt ist.
- Auch der uralte See im Ruppenfang hinter dem Wasserhof zeigte sich ebenfalls wieder einmal. Aalruppen aus der Gattung der Schlammbeißer können aber derzeit dort noch nicht wieder gefangen werden.
- Da der Rheingraben nach wie vor ständig absinkt (ca. 0,2 – 0,3 mm pro Jahr) und die umgrenzenden Berge (ca. 0,25 mm pro Jahr) weiter aufsteigen, nimmt der Wasserdruck von den Bergen in die Ebene ganz langsam aber ständig zu. Außerdem dehnt sich der Rheingraben etwa mit dem Zehnfachen der Sinkgeschwindigkeit immer weiter aus und bricht an manchen Stellen, die wir aber wegen der geringen Zunahme im Verlaufe eines Menschenlebens nicht direkt erkennen können.
- Nach Studien zur Klimaerwärmung der Erde wird es in Deutschland in Zukunft mildere und feuchtere Winter geben. Die häufigeren Westwetterlagen werden vermehrt Tiefdruckgebiete vom Atlantik nach Europa tragen, was vor allem im Westen und Süden Deutschlands zu mehr Niederschlägen und häufigerem Tauwetter führen wird.
- Die dadurch im Laufe eines Jahres erhöhte Wasserführung des Rheins baut seitlich eine länger anhaltende unterirdische Bugwelle auf, die das aus dem Odenwald und dem Neckarraum vermehrt ankommende Grundwasser in die Rheinebene zurück staut, wo es in den tiefer liegenden Gebieten der alten Flußläufe an die Erdoberfläche tritt.
- Die erwartete generelle Erhöhung des Meeresspiegels durch die Klimaerwärmung wird den Wasserdruck auf die Rheinebene weiter verstärken.
Fazit: Gegen das Oberflächenwasser kann der Mensch sich wehren, indem er die vorhandenen Gräben und Bäche so in Ordnung hält, daß das ankommende Niederschlagswasser möglichst schnell und ungehindert ablaufen kann. Das aufsteigende Grundwasser dagegen ist außerhalb der Gewalt der Menschen; der artesische Brunnen aus dem Zusammenspiel zwischen Odenwald/Rheinhessischem Hügelland und Rheinebene gehört zu den physikalischen Prinzipien, deren Vorkommen man nutzen kann oder denen man ausweichen sollte, wenn ihr Vorhandensein als störend empfunden wird. Das war schon den uralten Leeheimern (Heim bei den Grabhügeln) bekannt, die danach handelten und die diesem Spiel der Natur sogar ihren Ortsnamen, um 600 n.Chr. gegeben, verdanken. Wer sich über die natürlichen Gegebenheiten des Rieds hinwegsetzt, der wird vom Grundwasser betraft – und dies kann sehr langfristiger Natur sein.
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Resümee, Fakten und Tendenzen
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- Viel Wasser im Ried ist seit uralten Zeiten der Normalfall, wenig Wasser eigentlich nur die Ausnahme – vielleicht eine Laune oder ein Zyklus der Natur.
- Die Grundwasseranreicherung durch die Rheinwasseraufbereitungsanlage Biebesheim kann daher nur ein Versuch sein, in Zeiten der Ausnahme die Grundwasserabsenkung zu minimieren.
- Die Renaturierung der Sandbach ist ein Beispiel dafür wie man Tieren, Pflanzen und Menschen wieder eine naturnahe, lebenswertere Umgebung zurückgeben kann.
- Der jetzige hohe Grundwasserstand zeigt uns direkt hinter dem Crumstädter Ortsausgang gegen Eschollbrücken im alten Neckarbett den uralten Verlauf der Weschnitz, der auch aus Luftaufnahmen durch den unterschiedlichen jahreszeitlichen Bewuchs bekannt ist.
- Auch der uralte See im Ruppenfang hinter dem Wasserhof zeigte sich ebenfalls wieder einmal. Aalruppen aus der Gattung der Schlammbeißer können aber derzeit dort noch nicht wieder gefangen werden.
- Da der Rheingraben nach wie vor ständig absinkt (ca. 0,2 – 0,3 mm pro Jahr) und die umgrenzenden Berge (ca. 0,25 mm pro Jahr) weiter aufsteigen, nimmt der Wasserdruck von den Bergen in die Ebene ganz langsam aber ständig zu. Außerdem dehnt sich der Rheingraben etwa mit dem Zehnfachen der Sinkgeschwindigkeit immer weiter aus und bricht an manchen Stellen, die wir aber wegen der geringen Zunahme im Verlaufe eines Menschenlebens nicht direkt erkennen können.
- Nach Studien zur Klimaerwärmung der Erde wird es in Deutschland in Zukunft mildere und feuchtere Winter geben. Die häufigeren Westwetterlagen werden vermehrt Tiefdruckgebiete vom Atlantik nach Europa tragen, was vor allem im Westen und Süden Deutschlands zu mehr Niederschlägen und häufigerem Tauwetter führen wird.
- Die dadurch im Laufe eines Jahres erhöhte Wasserführung des Rheins baut seitlich eine länger anhaltende unterirdische Bugwelle auf, die das aus dem Odenwald und dem Neckarraum vermehrt ankommende Grundwasser in die Rheinebene zurück staut, wo es in den tiefer liegenden Gebieten der alten Flußläufe an die Erdoberfläche tritt.
- Die erwartete generelle Erhöhung des Meeresspiegels durch die Klimaerwärmung wird den Wasserdruck auf die Rheinebene weiter verstärken.
Fazit: Gegen das Oberflächenwasser kann der Mensch sich wehren, indem er die vorhandenen Gräben und Bäche so in Ordnung hält, daß das ankommende Niederschlagswasser möglichst schnell und ungehindert ablaufen kann. Das aufsteigende Grundwasser dagegen ist außerhalb der Gewalt der Menschen; der artesische Brunnen aus dem Zusammenspiel zwischen Odenwald/Rheinhessischem Hügelland und Rheinebene gehört zu den physikalischen Prinzipien, deren Vorkommen man nutzen kann oder denen man ausweichen sollte, wenn ihr Vorhandensein als störend empfunden wird. Das war schon den uralten Leeheimern (Heim bei den Grabhügeln) bekannt, die danach handelten und die diesem Spiel der Natur sogar ihren Ortsnamen, um 600 n.Chr. gegeben, verdanken. Wer sich über die natürlichen Gegebenheiten des Rieds hinwegsetzt, der wird vom Grundwasser betraft – und dies kann sehr langfristiger Natur sein.
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